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hockeymatch, leidenschaft

wir waren gestern in davos am hockeymatch. es war noch schwierig für mich, die atmosphäre und das spiel selbst zu geniessen, weil es das erste Mal war, dass jemand anders Jan ins Bett bringt als ich. Ausserdem ist es oft an Matches so, dass ich nicht einfach das Spiel schaue, sondern auch noch eine Menge anderer Dinge nebenher studiere.
Gestern waren wir also da. Das erste Drittel war im Lugano-Sektor eher ruhig, da der Tessinercar noch nicht da war (was eigentlich immer so ist). Wir assen in der ersten Drittelspause etwas und schon standen die ersten Davos-Fans bei der Trennwand (die Gäste sind jeweils gut abgeschirmt) und provozierten von sich aus die Luganesi. So Halbstarke waren das. Natürlich liessen sich einige auch provozieren.
Eine andere Situation beschäftigt mich: Nahe bei uns standen zwei Lugano-Fans mit Glatze, Londsdale-Pullovern und Springerstiefeln. Sie waren schon ziemlich voll und am lautesten waren sie wohl jeweils, wenn die andere Mannschaft heruntergemacht wurde, so war jedenfalls mein Eindruck. Irgendwann schaute einer nach hinten und winkte einen jüngeren Mann (eher ein Junge...) herbei: "He, Marco!" Er lotste ihn durch die Leute hindurch zu sich. Ein grosses Hallo, als er begrüsst wurde, er wurde umarmt, mit Handschlag begrüsst, er war willkommen. Marco hatte noch einen anderen Jungen dabei, der - glaube ich - kaum Ahnung von Hockey hatte. Marco meinte irgendwas von: "... jetz verschtaasch dänn, wie geil dases isch daa."
Ich glaube, darum geht es oftmals bei der ganzen Geschichte, wie jemand rechtsextrem (oder was weiss ich nicht alles) wird: Man gehört dazu, man ist jemand.
In der zweiten Drittelspause setzten wir uns hin und plötzlich gab es grosse Bewegung in die Menschenmenge bei uns in der Gastkurve. Viele Jungs im Alter der oben beschriebenen rannten hinaus, mindestens zwei Drittel aller Jungs verschwanden plötzlich. Irgendwann kam einer herein und meinte, draussen ginge die grosse Schlägerei ab...
Das letzte Drittel erlebte ich eher vom beobachtenden Standpunkt aus. Ich sah diese jungen Leute, die alles gaben, um eine Mannschaft anzufeuern. Sie waren leidenschaftlich, mit ganzer Seele dabei. Da kam mir die Aussage eines Kollegen in den Sinn, der jetzt an unserem alten Ort arbeitet. "Wenn die Männer anfangen, Gott mit ganzer Seele anzubeten, dann wird es für Satan gefährlich." Damals dachte ich, jaja, reicht ja nicht, wenn die Frauen das tun, scho guet.
Heute denke ich, dass er wohl recht hatte. In einem anderen Zusammenhang las ich mal (es ging um Ernährung), dass Männer in Sachen Ernährung, wenn es sie mal gepackt hat, viel strenger, fast sektiererisch werden.

Ich denke, darin liegt eine Art Geheimnis... das könnte man ja durchaus auch positiv polen.
13.10.07 17:15
 


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